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Duocarns Band 10 – Final War

Duocarns – Final War erscheint wöchentlich als Fortsetzungsroman.

Es ist empfehlenswert die Bände 1-9 zu lesen, um den Inhalt von Buch 10 zu verstehen.


Kapitel 1 – Tervenarius

Wie von Teufeln gehetzt, und ohne einen der freundlich lächelnden Caverner zu beachten, war Terv in die Höhle des Gelehrten gehastet und hatte sich auf den Stuhl vor dem mit Folianten bedeckten Schreibtisch sinken lassen. Ihm war auf die Schnelle kein anderer Zufluchtsort eingefallen, an dem er ungestört nachdenken konnte.
Ulquiorra, der ihn nach Sublimar transportiert hatte, war nach einem mitfühlenden Blick auf sein Gesicht sofort wieder verschwunden.
Das vertraute, warme Höhlensystem empfing ihn, doch das Gefühl in seiner Heimat zu sein beruhigte ihn nicht.
Verzweifelt stützte Terv den Kopf in die Hände. Er musste sich zwingen, seine sich überstürzenden Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken. Sein gequältes Herz pochte bis zum Hals, unterdrückte Wut kochte in ihm, Zorn, den er auf keinen Fall hatte an David auslassen wollen.
Es hielt Terv nicht mehr auf dem Sitz und er begann, ruhelos in der Höhle auf und ab zu laufen. Wie konnte das alles sein? David log nicht. Nein, er belog ihn nie. Was war geschehen? Die Idee, dass ihn jemand geklont hatte, verwarf er sofort. Wen gab es denn, der seine Fähigkeiten besaß? Es gab nur eine Möglichkeit: Sein Bruder war aufgetaucht. Der, den er für tot oder verschollen gehalten hatte.
Wütend ballte Tervenarius im Laufen die Fäuste. Er hätte gegen die felsigen Wände schlagen mögen. Sein Bruder hatte eine fabelhafte Art gewählt, sich nach ein paar Jahrhunderten Abwesenheit bei ihm vorzustellen: Erst einmal seinen Mann zu vögeln … Bei diesem Gedanken spürte er erneut den Hass sein Rückgrat hochklettern. Stop, befahl er sich. Laut Davids Aussage hatte sein Bruder sich zunächst verweigert. Wenn sie sich jedoch wirklich so ähnlich waren, wie sein Schatz behauptete, dann war dieser in Davids Duftfalle gelaufen.
Natürlich, er hielt inne, es konnte nur sein Bruder gewesen sein. Man hatte die Bolatarin Diva nach Sublimar gebracht und im Gegenzug seinen cavernischen Zwillingsbruder auf die Erde. Diva hatte die lange Zeit schlafend in der Bruthöhle überlebt. Ob es seinem Bruder ähnlich ergangen war? Nur so konnte es sein.
Nun gut. Allmählich beruhigte er sich. Um überhaupt an David heranzukommen, hatte man ihn offensichtlich ausspioniert. Sein Bruder musste über seine Lebensumstände Bescheid gewusst haben. War er zu nachlässig gewesen? Er lehnte sich gegen den Schreibtisch. Innerhalb der Wohnräume gab es keine Kameras. Er hasste diese Art von Kontrolle. Also konnten nur irgendwo Wanzen sein. Je länger er darüber nachdachte, um so sicherer wurde er sich, dass ihr Haus in Vancouver verwanzt war.
Was zum Teufel tat er dann auf Sublimar, statt diese Angelegenheit vor Ort zu regeln? Du bist getürmt, sagte er sich, um keinen unbedachten Fehler zu machen. Er kannte sich und seinen Jähzorn. In Gedanken blätterte Terv in den auf dem Tisch liegenden Dokumenten. Hatte er sich beruhigt? Ja. David würde sich zudem Sorgen machen, weil er einfach ohne ein Wort verschwunden war.
Kurz entschlossen drückte er auf den Ring in seiner Brust.

Als das Tor in die Anomalie sich öffnete, trat nicht Ulquiorra, sondern Solutosan daraus hervor. Terv sah seinen alten Freund und stöhnte erleichtert. Er benötigte Rat und der Duocarn war eigentlich genau der Mann, den er in diesem Moment brauchte.
»Was ist denn das für eine Begrüßung?« Solutosan blinzelte. Er benutzte wie immer wenn sie unter sich waren Telepathie. »Ich habe mitbekommen, dass Ulquiorra dich eben erst hierher gebracht hat. Probleme mit David?«
Terv ließ sich ächzend auf einen der steinernen Sitze fallen. »Wie weit bist du über die Gepflogenheiten der Caverner informiert?«, antwortete er telepathisch.
»Darüber weiß ich so gut wie nichts.«
Solutosan kam zu ihm und setzte sich auf den mit Flechten gepolsterten Stuhl auf der anderen Seite des Tisches, legte die starken, goldenen Unterarme auf die Tischplatte und sah ihn erwartungsvoll an.
Terv konzentrierte sich, um nicht zu weit auszuholen. »Ein cavernisches sowie ein bolatarisches Königspaar bekommt zwei Kinder, die meistens gleichgeschlechtlich sind. Um die Genetik zu erhalten, müssen die bolatarischen Nachkommen mit den Cavernern ausgetauscht werden. Beide Völker sind jedoch seit über tausend Jahren auf verschiedenen Planeten. Die Caverner sind auf Sublimar und die Bolataren werden auf der Erde vermutet. Die Aurifex, die zwischen den Welten reisen können, haben diesen Austausch der Nachkommen vorgenommen. Der letzte Tausch fand, soweit ich recherchieren konnte, im Erdenjahr 500 bis 700 statt. Die Bolatarin Diva, die du ja kennst, hat die lange Zeit in einer Bruthöhle auf Sublimar überdauert. Ich bin von Sublimar nach Duonalia entführt worden, bevor der Austausch stattfand. Das alles vermute ich zumindest.«
Solutosan hatte ihm aufmerksam zugehört. »Du hast anfangs gesagt, dass es immer zwei Kinder sind. Was ist aus den anderen beiden geworden?«
»Tja, das ist das Problem, mein Freund«, Terv spielte mit den auf dem Tisch liegenden Papieren, blätterte mit dem Daumen nervös an deren Ecken. »Niemand weiß es. Deshalb sind David und ich auf der Erde gewesen, um nach den Bolataren zu forschen. Die Spur führte nach Peru. Wir sind vielleicht sogar etwas Mystischem zu nahe gekommen, denn Dan krabbelte in ein Bergloch bei der Festung Kualep und liegt seitdem im Koma. David hat versucht, das Phänomen zu erforschen, bloß mit unseren Mitteln war es sinnlos. Er hat lediglich bemerkt, dass dort eine starke, gefährliche Kraft herrscht, und hat sich daraufhin sofort zurückgezogen. Hat das Ganze mit dem Verschwinden der Bolataren zu tun? Man weiß es nicht.«
»Interessant. Soll ich mir das einmal ansehen?«
Terv musterte den nackten, mächtigen Sternenkrieger. Wenn überhaupt jemand gefahrlos dieser Erscheinung auf den Grund gehen konnte, war er es.
»Ja, obwohl es momentan Wichtigeres gibt. Ich glaube, dass mein Bruder auf der Erde verblieben ist und überlebt hat.«
»Was?« Solutosan riss die Augen auf. »Wie kommst du darauf?«
Terv wand sich innerlich. Er vertraute Solutosan völlig, aber wenn es um intime Dinge ging, übten sie beide eher Zurückhaltung.
»Jemand kam in mein Haus auf der Erde, der genau so aussah wie ich, und auch meine Fähigkeiten besaß, und hat mit David geschlafen.«
Jetzt war es heraus.
Dieses Geständnis machte Solutosan sprachlos.
»Das ist nicht dein Ernst.« Er war völlig verblüfft.
»Doch. Und das kann nur mein Bruder gewesen sein, der mich ausspioniert hat, denn er ist als Einziger fähig, meine Genetik reproduzieren, um das Alarmsystem unseres Hauses zu überwinden.«
»Aber dann muss der Mann ja ebenfalls über 1300 Jahre alt sein. Ist er unsterblich?«
»Ich weiß das alles nicht.« Tervenarius sah ihm verzweifelt an. »Wie sollte er nach Duonalia zum Sternentor gekommen sein?«
Nachdenklich strich Solutosan mit gespreizten Fingern sein langes Haar zurück. »Und er kommt allen Ernstes in dein Haus und … Ich fass es nicht. Und David?«
»Solutosan, ich bin ratlos. David fühlt sich beschissen. Anders kann man es nicht mehr bezeichnen.«
»Ich überlege, was ich tun könnte.« Solutosan sah ihn mit seinen Sternenaugen an.
»Ich wünschte, ich wüsste, was in meines Bruders Kopf vorgeht. Will er mir schaden? Oder hat er vor, sich David noch einmal zu nähern?«
»Das musst du auf jeden Fall verhindern«, grollte Solutosan.
»Du siehst die Zwickmühle, in der ich mich befinde? Auf der einen Seite will ich meinen Bruder erwischen und zur Rede stellen, aber ich will David nicht als Lockvogel für ihn benutzen. Ich würde ihn gern nach Duonalia bringen, und Dan ebenfalls. Patallia hat jedoch von einem Transport durch die Anomalie in seinem Zustand abgeraten.«
»Hm. Er liegt im Wachkoma, sagst du? Was soll passieren? Im Grunde kann ich das nicht verschlimmern. Im Gegenteil. Eventuell macht ihn die Transformation wieder wach. Durch die Verwandlung in Energie verändere ich ja nichts. Er bleibt, wie er ist.«
»Du meinst also, wir sollten es riskieren? Ich hätte Dandylon gern in Patallias Nähe.«
»Das kann ich verstehen.« Solutosan rieb sich das Kinn. »Magie, sagst du? Interessant. Und die Aurifex können ebenfalls in den Welten wandern? Das hört sich nach Verwandtschaft an. Ich werde mit Ulquiorra der Sache einmal nachgehen. Du weißt ja, er liebt ungelöste Rätsel.«
»Aber sprich bitte nicht darüber, was David passiert ist.« Tervenarius fühlte sich plötzlich erleichtert. Es war gut, mit Solutosan zu reden. Der war und blieb sein bester Freund.«
»Ist schon klar.« Er erhob sich. »Dann bringe ich dich jetzt zurück. Macht den Kleinen für den Transport fertig. Wenn du willst, bereite ich Meo und Patallia auf eure Ankunft vor.«
»Ja, gute Idee.« Terv stand ebenfalls auf. Nun war ihm klar, was zu tun war. Er musste mit David reden, und zwar dringend.

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