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Duocarns – Final War Kapitel 5 & 6

Während Tervenarius in einem ruhigen Raum im Hauptsitz von Allglobalmeds auf Solutosan wartete, ging er unruhig auf und ab. Er betrachtete zerstreut die bunten Kunstdrucke an den Wänden, die grau gepolsterten Sitzmöbel aus Edelstahl und den dezent gemusterten Teppich. Der Raum besaß keine Fenster.
Sein Bruder war in die Produktion eingedrungen, hatte sich wahrscheinlich als einer der Mitarbeiter getarnt und eine ganze Charge mit einem Zusatz verunreinigt. Was genau es war, konnte selbst Terv nicht feststellen, da es sich um einen ihm unbekannten Pilz handelte. Was er allerdings darüber sagen konnte, war, dass dieser harmlos und hilfreich war.
Nachdenklich griff er in die Tasche seines schwarzen Anzugs und holte eine Hand voll heller Kapseln hervor. Wieso hatte er trotzdem das Gefühl, etwas Bedrohliches vor sich zu haben? Zum wiederholten Mal teilte er eine der Kapseln, streute das weiße Pulver auf die Glasplatte des runden Tisches und starrte es an.
Hinter ihm öffnete Solutosan ein Tor und trat daraus hervor. Er kam zum Tisch und betrachtete das Dolfigrin.
»Was ist das?«, fragte er misstrauisch.
»Ein Geschenk meines Bruders. Er ist in die Produktion eingedrungen und hat einen Zusatz in das Medikament gegen die Kälte, Dolfigrin, gemischt.«
»Was?«
Terv nickte. »Das Verrückte ist, dass er damit die Symptome der Kälte verbessert hat. Die Menschen frieren nicht mehr und sterben nicht so schnell.«
Erneut tupfte er den angefeuchteten Finger in das Pulver, legte es auf die Zunge und analysierte es zum zehnten Mal.
Er sah Solutosan an. »Ja, gleiches Ergebnis. Wir werden es künstlich herstellen und dauerhaft dem Dolfigrin beifügen.«
»Halt!« Solutosan ergriff seine Schulter und verhinderte, dass er sich von ihm wegdrehte. Der Energetiker besah ihn prüfend.
»Was ist los?«
»Deine Augen haben eben rot gefunkelt. Nur ganz kurz.«
»Rot? Bist du sicher?«
»Ja. Mit diesem Pulver stimmt etwas nicht. Wo vermutest du seinen Ursprung?«
Terv betrachtete die Kapseln in seiner Hand. »Mein Gefühl sagt mir, dass es ein ausgestorbener Pilz ist. Vielleicht etwas, das einmal im Dschungel existiert hat, wie zum Beispiel …«, er stockte, »bei den Mayas.«
»Und müsste dein Bruder nicht genau so alt sein wie du?«
Tervenarius nickte.
»Wie konnte er hier auf der Erde so lange überleben?« Jetzt erst ließ Solutosan ihn los. Er machte sich Sorgen, das spürte Terv.
»Ich weiß es nicht. Diva hat so lange in einer Bruthöhle geschlafen, die sie konserviert hat. Und eigentlich müsste sie noch eine Schwester gehabt haben. Aber die ist verschwunden.«
»Wir müssen zurück und mit den anderen sprechen. Es ist Zeit, die Duocarns wieder zu vereinen.«
Damit hatte Solutosan recht. Das Dolfigrin war in der ganzen Welt verteilt worden. Rote Augen? Solutosan musste sich getäuscht haben. Er hatte noch nie rote Augen gehabt….

Kapitel 6

»Nun denn.« Terv hatte den anderen Duocarns von dem gepantschten Dolfigrin berichtet. »Was unternehmen wir?«
Aurora und Trianora hatten sich zurückgezogen, sodass nur noch Solutosan, Ulquiorra, David, Terv, Patallia, Nice und Cesare im Innenhof saßen. Die entzündeten Vis-Lampen erhellten den Hof mit ihrem bläulichen Licht. Die vier Monde Duonalias lagen hinter dicken Schleiern, sodass die Nacht ungewöhnlich dunkel war. Die abendlichen Gesänge waren bereits verstummt und die meisten Bewohner schienen zu schlafen. Nur ein gefleckter Serfeluskater strich zwischen den blühenden Kübelpflanzen umher und versuchte eine der zirpenden Grillen zu erhaschen.
»Was mich interessieren würde«, Patallia sah David an. »Was wollte Tervs Bruder von euch?«
David sah Tervenarius an, der antwortete: »Er hat uns ausspioniert, hat sich Zugang zu unserem Haus verschafft, indem er mich imitiert hat. Er ist fähig, mich genau zu kopieren.«
»Verdammt.« Solutosan knurrte. »Und woran erkennen wir dich?«
»An seinem Duft«, erwiderte David. »Terv gib ihnen von den Sporen.«
Er nickte, und gab jedem der Anwesenden ein paar mit Marzipan- und Veilchenduft aromatisierte Sporen in die Handfläche. Alle schnupperten daran.
»Ja klar, den Geruch kennen wir von dir«, bestätigte Ulquiorra.
»Ja, aber das weiß sein Bruder nicht«, sagte David.
»Weißt du noch, was du ihm erzählt hast, David?«, forschte Solutosan nach. »Hast du ihm Informationen gegeben? Zum Beispiel darüber, wie wir uns zwischen den Planeten bewegen?«
David schüttelte den Kopf. »Nein, denn mit Terv spreche ich ja nicht über solche Dinge. Aber …«, er stockte. »Soweit ich mich erinnere, haben Terv und ich einmal über das Sternentor geredet. Wir wussten ja nicht, dass wir ausspioniert wurden.«
Die anwesenden Männer atmeten laut und entsetzt aus.
Terv sah David an und versuchte, ihre Gespräche der vergangenen Monate zu rekonstruieren. Ja, sie hatten über Nice gesprochen und ob der eventuell die Unsterblichkeit anstrebte. Dabei war vielleicht das Wort Sternentor gefallen.
»Das hieße, dass mein Bruder mit einer gewaltigen Kraft im Bunde steht. Das würde auch erklären, wieso er so lange lebt.«
»Aber wer ist so mächtig?«, frage Nice.
Niemand antwortete.
»Wir müssen meinen Vater suchen, Ulquiorra.« Solutosan sah seinen Partner an. »Vielleicht finden wir im Energetikon Hinweise, welche Planeten er noch bevorzugt.«
Ulquiorra nickte. »Bleibt ihr jetzt auf Duonalia?« Die Frage ging an David und ihn.
Terv sah David an. Er wollte nicht über seinen Kopf entscheiden. Sie hatten nicht über die weitere Zukunft gesprochen.
»Ja.« David nickte. »Patallia erzähle du.«
»Ich bin nun Leiter der Prothesenmacher, da Nunumius leider das Zeitliche gesegnet hat. Ihr wisst vielleicht, dass die gesamte medizinische Abteilung samt ihrer Forschung aus dem Silentium ausgelagert wurde. Wir sind jetzt in einem Nebengebäude nicht weit von hier. Dort liegt auch Dandylon. Ich habe das Haus von Nunumius erbeten, das direkt neben unserem ist. Ich dachte daran, die Wand zwischen den Häusern durchbrechen zu lassen. So haben wir alle mehr Platz.«
Das war eine ausgezeichnete Idee. Terv lächelte. »Machen wir wieder eine Wohngemeinschaft, wie damals auf der Erde mit Sm …?« Er hatte Smu erwähnen wollen, aber stockte.
Jedoch Patallia erwiderte sein Lächeln. »Ja, damals lebte Smu noch. Das war eine gute Zeit in Vancouver am Meer.«
Sie sahen sich an. Es war so viel passiert.
»Und wo wohnt ihr?«, fragte David Solutosan.
»Wir sind auf Renovamion geblieben. Die Renovaren sind ein einfaches Volk und wir fühlen uns dort sehr wohl.«
»Ich dachte daran, unsere nächste Hochzeit auf Renovamion zu feiern«, erwiderte David.
Terv schmunzelte, als er Davids verträumte Miene sah. »Bis dahin sind ja noch ein paar Jahre hin.«
»Was sind schon Jahre?« David sah ihn an und alle nickten.
»Ob ich wohl nun bin wie ihr?«, fragte Nice.
»Wie steht es denn um deine Heilfähigkeit?«, erkundigte sich Terv.
»Hm. Nicht so doll.« Nice hob zwei verpflasterte Finger hoch.
»Er schneidet sich gelegentlich, wenn er Gemüse putzt.«
»Mach du das mal, wenn du deine Hände nicht sehen kannst«, verteidigte sich Nice und alle lachten.
»Isst du denn jetzt noch ganz normale Dinge?«, wollte David wissen.
»Ja klar. Nur Dona wäre mir zu öde. Und ich sag euch mal was, ich ziehe meinen Plan durch und eröffne eine Dönerbude.«
Die Männer sahen ihn verblüfft an.
»Ich werde Knoblauch und Tomaten anbauen. Leute, das wird der Renner. Die Quinari werden mir das geschnetzelte Warranz-Fleisch mit Salat, Tomaten und Knoblauchsauce aus den Händen reißen.«
»Was für eine Idee.« David war begeistert. »Brauchst du Hilfe? Ich habe da einige Rezepte von meiner Mutter im Kopf …«
»Ja klar.« Nice strahlte. »Und ich brauche noch mehr Make-up. Und manchmal gehe ich ohne in den Laden. Das Ganze nennen wir ›Zum unsichtbaren Mann‹. Was für eine Werbung!« David und er lachten sich begeistert an.
Terv sah, wie Davids Gehirn auf Hochtouren arbeitete, und freute sich, dass sein Schatz sich an dem Projekt beteiligen wollte. Er selbst wollte wieder nach Sublimar in seine Höhle und in den Dokumenten lesen und lehren. Vielleicht fand er ja dort weitere Hinweise über die Bolataren und die Aurifex. Außerdem war es bald an der Zeit, sich erneut mit Diva zu vereinen. Verdammt, das hatte er David bisher nicht erzählt. Das stand ihm noch bevor.
»Ähm ja«, schaltete Solutosan sich ein. »Hauptsache ihr seid hier erst einmal sicher. Ulquiorra und ich machen uns auf den Weg und versuchen die Alten zu finden. Sie könnten etwas über eine so zerstörerische Macht wissen und vielleicht auch den Namen Aurifex kennen.«
Alle nickten zustimmend.
»Gut, dann lasst uns schlafen gehen.« Meo und Cesare erhoben sich, die anderen folgten nach. Ulquiorra öffnete ein Tor und die Energetiker verschwanden.
Es ist gut, dachte Terv. Die Duocarns sind wieder vereint. Auch wenn Xanmeran fehlt. Aber immerhin erinnerte Ulquiorras Körper an den starken und aufopferungsbereiten Krieger.

Final War ist Band 10 der Serie.

Wer sie noch nicht gelesen hat. Hier der Link

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