So bitter die Schuld

So bitter die Schuld – Thriller

Melisa Schwermer – der Name steht für Thriller, die garantiert unter die Haut gehen. Wer Lust hat, in die Abgründe des Menschen zu schauen und dabei eine spannungsgeladene Story zu lesen, der wird bei mir sicher nicht enttäuscht. Im August erscheint mein neuer Thriller „So bitter die Schuld“. Einen kleinen Teaser gibt es jetzt schon hier.

Wer mehr von und über Melisa Schwermer erfahren möchte, kann mich gerne auf Facebook oder über meine Homepage kontaktieren.

Viel Spannung mit dem ersten Kapitel.

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So bitter die Schuld – Kapitel 1

»Mir tut der Bauch weh«, sagte Kristina in die Stille des Raumes. Ihre Stimme hallte von den hohen Wänden wider. Jetzt im Dunkeln klang es beinahe, als hätte sie die Worte laut gerufen. Dennoch schien ihre Zimmernachbarin nichts gehört zu haben. Zumindest gab sie keinen Mucks von sich. Stattdessen hörte Kristina das Rascheln der Bettdecke, als das andere Mädchen sich in ihrem Bett herumdrehte.
Sie selbst rollte sich auf der viel zu harten Matratze zusammen und zog die Beine an den schmerzenden Bauch. Das steife Bettlaken piekte an den nackten Stellen ihres Körpers. Das Licht der Straßenlaternen, das durch den Schlitz zwischen den Vorhängen fiel, erzeugte gruselig aussehende Schatten. Kristina beobachtete sie einen Moment.
»Es tut wirklich sehr doll weh«, versuchte sie es dann noch einmal. Als das andere Mädchen weiterhin schwieg, fügte sie hinzu: »Und ich hab Hunger. Hast du auch Hunger?«
»Wir sollen nicht mehr reden.«
Kristina setzte sich auf und rieb sich den Bauch. Das Atmen fiel ihr schwer. Sie stand aus dem Bett auf und tapste auf nackten Füßen zur Tür.
»Wohin gehst du?«
»Ich will zum Betreuer. Mir tut der Bauch so sehr weh.«
»Wir dürfen aber heute nicht mehr aus dem Zimmer.«
Kristina knipste das Licht an. Ihre Zimmernachbarin lag auf dem Rücken unter der Decke und umklammerte ihren Hasen. Als Kristina sie ansah, kniff sie die Augen zusammen und presste das Stofftier noch fester an sich.
»Mir egal. Er soll machen, dass mein Bauchweh weggeht.«
Auf dem Flur ertönte das Quietschen der Gummisohlen. Die Schritte näherten sich dem Zimmer.
»Bitte, mach das Licht aus«, flehte die Zimmernachbarin. Mittlerweile hatte sie die Augen geöffnet und starrte Kristina an.
Gerade als Kristina doch auf das andere Mädchen hören wollte, durchzuckte ein Krampf ihren Unterleib und sie fiel zusammengekrümmt auf die Knie. Sie stöhnte schmerzerfüllt. In diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen.
»Hab ich mir doch gedacht, dass ich da Licht unter der Tür gesehen habe. Warum seid ihr noch auf?«, fragte Renate streng. Als sie jedoch Kristina auf dem Boden kauern sah, wurde ihre Stimme weich. Sie kniete sich neben Kristina und streichelte ihr beruhigend über den Rücken. »Was ist los mit dir?«
Kristina würgte. Da ihr Magen jedoch mit nichts gefüllt war, das den Rückweg antreten könnte, kam lediglich ein trockener Husten aus ihrer Kehle. »Mir tut der Bauch … so weh!«
»Oh Schätzchen.« Renate zog sie sanft an den Armen nach oben. »Du warst doch erst heute Mittag zur Untersuchung.«
Der nächste Krampf schüttelte Kristina. Speichel sammelte sich in ihrem Mund und sie schluckte heftig.
»Und hast du deine Tabletten bekommen?«
Wieder nickte sie. Die Schmerzen waren mittlerweile so stark, dass ihr Tränen über die Wangen liefen.
»Dann weißt du doch, dass du manchmal Schmerzen davon bekommst. Wir können erst morgen früh wieder auf die Krankenstation. Dort nehmen sie dir Blut ab und der Doktor schaut, wie er deinen Bauch wieder gesund machen kann. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es dir bis dahin längst wieder besser geht. So ist es doch immer. Komm, ich bringe dich zurück ins Bett.« Renate hob Kristina auf ihren Arm und trug sie zu ihrer Matratze.
Kristina blickte Renate fest an. Sie wollte nicht schon wieder in den Keller. Sie hasste die Räume dort unten. »Kann ich bitte zu einem richtigen Doktor?«, fragte sie.
»Das geht leider nicht, das weißt du doch. Aber du musst die Untersuchungen nicht mehr lange mitmachen. Bald hast du es geschafft.«
»Ich möchte nicht mehr runter in den Keller.«
Renate legte ihr einen Finger über die Lippen. »Schhh«, machte sie. Auch in ihren Augen standen Tränen. »Versuch jetzt zu schlafen. Ich bringe dir noch einen Tee und eine Wärmflasche, aber dann musst du mir versprechen, dass du für heute Abend im Bett bleibst.«
Kristina rollte sich auf die Seite und nickte matt. Als Renate das Zimmer verlassen hatte, weinte sie leise in die gestärkte Baumwolle ihres Kissens.

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