Verschwunden im Nirgendwo

Band 1 aus der Trilogie: Das Rätsel um KA-22-4-84 von Klaus Eitel Acker.

Der Journalist Hanspeter Leitning hinterfragt gerade sein bisheriges Leben, als ihn dieser anonyme Anruf erreicht. In einem alten Landschloss könne er Urlaub machen und etwas über ein Tagebuch herausfinden. Deswegen seien schon Menschen verschwunden.
In dem Schloss erfährt er eine fast unglaubliche Geschichte. Vor 30 Jahren hat ein junger Mann den Absturz eines Transportflugzeuges in der Taiga als Einziger überlebt. Er galt als verschollen. Doch, statt zu verzweifeln, hat er die Herausforderungen erfolgreich gemeistert und schließlich das Ruder seines Lebens in die eigenen Hände genommen.

Diese Abenteuergeschichte dient der gesamten Trilogie als spannender Rahmen für brandaktuelle Themen und gewagte Sichtweisen auf unsere Welt. Es ist keine neue „Robinsongeschichte“, sondern eine Einladung zu mehr Eigenverantwortung und Bewusstheit.

Thriller, Abenteuerroman, Politkrimi, Ratgeber? Schwierig, diese Roman-Trilogie in ein klassisches Genre zu pressen.

Ohne die polarisierenden Gedanken und Dialoge der Hauptakteure wäre es nur ein Abenteuerroman, und ohne diese spannende Geschichte bliebe der populärwissenschaftliche Ansatz eines Sachbuches übrig. Doch gemeinsam ergibt es eine packende Story mit Tiefgang, geschrieben für Leser, die mehr als nur Unterhaltung suchen.

Die Trilogie „Das Rätsel um KA-22-4-84“ umfasst folgende Romane:

Band 1:  Verschwunden im Nirgendwo
Band 2:  Zukunftshauch
Band 3:  Hoffnungsmorgen


Leseprobe 1:

… Sascha war ganz anders. Weißt du, wir sind zweieiige Zwillinge, sehen uns äußerlich aber trotzdem sehr ähnlich.
Er mochte keinen Alkohol. Schon früher, als er noch zur Schule ging, war er gern allein. Während die anderen Jungen irgendwelchen Blödsinn anstellten, hatte er lieber dicke Bücher gelesen, von denen seine Freunde kaum etwas verstanden. Deshalb war er ein Außenseiter und seine Mitschüler wussten nicht so recht, ob sie über ihn lachen, oder ihn bewundern sollten.
Unser Onkel sagte mal, er könne um die Ecke denken, was bei den Lehrern nicht immer gut ankam.“
“Warum? Wie meinst du das?“
„Er war ihnen zu klug, zu eigenständig, zu unberechenbar. Er ließ sich nicht verbiegen, weiß du.“
„Das ist doch super!“
Dimitri schaut nur kurz auf und sagt: „Ja ja, aber nicht in einem kommunistischen Land.“ HP brummt kurz zur Bestätigung, worauf Dimitri fortfährt.
„Nach dem Schulabschluss hatte er ebenfalls in meinem Betrieb gearbeitet. Später studierte er in Moskau Kybernetik und Psychologie. Deshalb sahen wir uns nur noch selten.
Wenn es möglich war, kam er in den Semesterferien nachhause in unser Dorf. Wir hatten uns immer viel zu erzählen, wie das unter Brüdern so ist.
Sascha arbeitete dann wieder für unseren Bergbaubetrieb. Dort war man froh über jede Hilfe in der Ferienzeit. Mein Bruder war im Betrieb noch gut bekannt und er bekam seine Ferienarbeit ordentlich bezahlt.
Er sollte für jemanden einspringen und den Werkzeugtransport zu einer entfernten Grube begleiten. Ich sehe ihn noch, wie er in die Transportmaschine steigt und mir freudig zuwinkt.
Weißt du, es kam ihm gerade recht, denn er hatte an diesem Tag einen Brief bekommen, dass er sich auf dem Revier melden sollte, um zu einer Reservistenübung einzurücken. Da war der Transportflug in die Grubenkolonie genau richtig, um auf andere Gedanken zu kommen und um Zeit zu gewinnen. Denn er verabscheute den Armeedienst.“
Dimitri sieht HP wieder fest in die Augen und sagt: „Das ist jetzt auf den Tag genau 30 Jahre her. Was für ein Zufall!“ Er scheint darüber fast erschrocken zu sein und blickt nachdenklich ins Leere, bevor er nach einer langen Pause seine Haarsträhne aus der Stirn streicht.
„Das Flugzeug kam nie an! Es war einfach verschwunden. Natürlich ist es nicht leicht, ein Flugzeug in der Taiga zu finden, aber trotzdem.“ Er bricht mitten im Satz ab und schüttelt verständnislos seinen Kopf.
„Na ja, sie waren ja auch ganz woanders. Es gab eine große Suchaktion. Nach einiger Zeit wurde sie ergebnislos abgebrochen. Jahre später entdeckten Jäger ein verlassenes Blockhaus in der Taiga und fanden Saschas Tagebücher. Ich bin froh darüber“, sagt Dimitri lächelnd.
„Und wie bist du zu den Tagebüchern gekommen?“ Dimitri holt tief Luft und schaut HP wieder durchdringend an, bevor er antwortet.
„In dem Gebiet ist inzwischen ein größerer Ort entstanden, es wurden Straßen gebaut, und aus ein paar dutzend Arbeitern wurden mehrere hundert Einwohner. Eines Tages war das Blockhaus von zwei Männern entdeckt worden, die auf der Jagd waren. In einiger Entfernung fand man auch ein Flugzeugwrack. Bald war klar, dass es sich um das damals vermisste Flugzeug handelte. Keiner konnte sich erklären, weshalb das Flugzeug überhaupt in diese Gegend gekommen war. Die Bergbaukolonie lag ganz woanders.
Wassili, ein ehemaliger Kollege, der noch in meinem alten Betrieb arbeitete, wurde dort hinbeordert, um bei der Aufklärung zu helfen. Er entdeckte die Tagebücher und wollte sie der Miliz übergeben.
Doch dann hatte er sich anders entschieden, und hat sie mitgenommen. Es war ja sowieso nichts mehr zu ändern. Er hat mir diese Aufzeichnungen später gegeben. Aber von Sascha fehlte jede Spur.“
„Und wo ist er heute?“ …


Leseprobe 2:

Verschollen in der Taiga

22. April 1984:
Gott sei Dank, ich lebe. Ich schreibe das jetzt alles so genau wie möglich auf, weil es wichtig ist. Nicht nur für mich selbst, denn ich kann das alles noch gar nicht fassen. Vielleicht auch für Menschen, die es einmal lesen werden, wenn ich nicht mehr hier bin.
Es kann sein, dass ich doch noch sterbe, wenn mich keiner findet. Ich möchte das, was geschehen ist, und vor allem, wie ich es erlebt habe, zu Papier bringen.
Es sind schon ein paar Tage vergangen, seit dem Absturz und ich glaube, hier ist seit hundert Jahren kein Mensch vorbeigekommen.
Ich hatte gehofft, dass man uns suchen würde. Sicher haben sie das auch getan. Immer und immer wieder wünsche ich mir, dass wir bloß nicht von unserer Route abgezweigt wären. Die Beiden sagten, dass wir noch zu einer anderen Grube fliegen müssten. Keine Ahnung, was die so alles nebenbei für Geschäfte machen. Jedenfalls wusste ich vorher nichts davon. Ich bin auch nur zur Aushilfe eingesprungen. Und solange ich alles quittiert bekomme, was wir übergeben, soll es mir egal sein. Deshalb hatte ich mir keine Sorgen gemacht.
Bis dann die dunklen Wolken vor uns auftauchten und der Pilot sagte, dass wir das Unwetter umfliegen müssten. Sicherlich hatte er gewusst, was er tut und hatte es gut gemeint. Doch wir kamen in schreckliche Turbulenzen. Als der Blitz einschlug, ging alles ganz schnell. Die Motoren blieben plötzlich stehen und alle Lampen gingen aus. Wir verloren rasch an Höhe und es fühlte sich an wie auf einer Schaukel. Ich sah schon den Wald unter uns. Plötzlich krachte es. Ich flog nach vorn und der Sicherheitsgurt grub sich in meinen Bauch. An mehr kann ich mich nicht erinnern.
Dimitri ist sichtlich erregt und aufgewühlt, und er muss sich immer wieder über sein rechtes Auge wischen. Stellenweise scheint er auswendig zu sprechen und HP weiß nicht, ob er etwas dazu interpretiert oder ob er wortwörtlich übersetzt. Vielleicht hat er es einfach schon sehr oft gelesen.
Als ich wieder zu mir kam, war es totenstill. Weder Regen noch Wind konnte ich hören. Ich hing mit dem Kopf nach vorn in meinem Sitz, der leicht schräg nach unten geneigt war. Da es draußen noch nicht völlig dunkel war, konnte ich erkennen, dass vor mir im Flugzeug alles durcheinander lag.
Zum Glück brannte es nicht. Ich rief instinktiv nach den beiden Piloten. Keine Antwort. Dann löste ich vorsichtig meinen Gurt und rutschte nach vorn von meinem Sitz herunter.
Plötzlich gab es einen Ruck und ich konnte mich gerade noch festhalten, als das gesamte Flugzeug nach unten sackte. Ich hielt den Atem an, denn ich wusste zunächst nicht, wo ich war. Erst nach und nach begriff ich, was passiert war. Mit einem Blick durchs Fenster stellte ich mit Erleichterung fest, dass wir auf dem Boden waren.
Nach einem tiefen, schmerzenden Atemzug versuchte ich mich in meinen Körper hineinzufühlen. Ich konnte mich bewegen. Nur der Bauch und meine Beckenknochen taten mir weh. Zum Glück hatte ich ganz hinten gesessen, also hinter den schweren Kisten und Paletten, sonst wäre ich wohl davon erschlagen worden. Die Kartons lagen vor mir alle durcheinander.
Ich kletterte vorsichtig weiter nach vorn über die Kisten hinweg. Mir brummte heftig der Schädel. Vorsichtig betastete ich meinen Kopf, konnte aber keine Verletzung feststellen. Wahrscheinlich hatte ich eine Gehirnerschütterung. Das wäre kein Wunder bei einem Flugzeugabsturz.
Plötzlich hatte ich den Eindruck, dass es verbrannt roch. Ich wollte raus. Nur raus. Das Transportflugzeug hatte keine sonst übliche Innenverkleidung. Die verbeulte Wand war gleichzeitig die Außenhaut, also das Flugzeug selbst. Die vordere Tür war verschlossen und sichtbar verzogen. Mir wurde schnell klar, dass ich es mir sparen konnte, weiter daran zu ziehen oder zu drücken. Ich trat den Rückweg an, kletterte nach hinten zur Ladeluke. Nachdem ich den Hebel zur Türentriegelung aufgeschwenkt hatte, konnte ich die Tür öffnen. Gott sei Dank! Mit Erleichterung ließ ich mich nach draußen rutschen und spürte weichen Boden unter meinen Füßen.
Zitternd am ganzen Körper taumelte ich ein paar Schritte weiter, bis ich mich an einem Baum abstützen konnte. In der Abenddämmerung war das Flugzeug, oder das, was davon übrig war, noch gut zu erkennen. Der rechte Flügel fehlte, das Cockpit war etwas eingedrückt und mit Ladung gefüllt.
So schnell es meine kraftlosen Beine zuließen, stolperte ich nach vorn und rief erneut nach den Piloten – aber das war wohl sinnlos. Als ich durch das zerborstene Fenster geschaut hatte, begriff ich das Entsetzliche. Ich drehte mich weg und war am Ende meiner Kräfte. …


Leseprobe 3:

…  Nun helft mir doch endlich, schrie ich und gab mich meiner Resignation hin, bis ich das Tal der Verzweiflung erneut durchschritten hatte.
Was half es zu jammern? Davon kam auch keine Hilfe. Ich sprach dieselben Worte vor mich hin, die ich schon mehrmals gesagt hatte.
Sei froh, dass du lebst und gesund bist. Es gibt genügend zu essen und zu trinken. Du hast sogar ein Feuerzeug und eine Taschenlampe. Und du kannst nachts halbwegs sicher schlafen, bist vor Wind und Wetter geschützt und vielleicht wirst du ja doch noch gerettet. Einfach Geduld haben. Es hätte alles viel schlimmer kommen können … und so weiter und so weiter.
Ja, ich führte Selbstgespräche. Laute Selbstgespräche, wie ein Verrückter. Sollte ich wirklich schon verrückt geworden sein?…


Leseprobe 4:

… HP schließt seine Zimmertür und ist sehr nachdenklich. Die alten Dielen knarren unter seinen langsamen Schritten. Als er zum Spiegel schaut, bleibt er wie erstarrt stehen. Er blickt direkt in seine Augen. Ist er noch in der Fahrrinne seiner persönlichen Evolution, wie es Dimitri genannt hat? Ist er glücklich in seinem Leben? Schwierige Fragen für ihn. Und auch noch vor dem Schlafengehen. Jedenfalls kann er sie nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Eigentlich mag er seinen Job. Er ist gern Journalist. Was ist es dann, dass ihn zweifeln lässt?
Natürlich weiß er, dass auch andere Menschen irgendwann ihr Leben besonders hinterfragen. Das ist typisch für sein Alter. Und er fragt sich, wobei früher seine Augen geleuchtet haben? HP erinnert sich an viele Dinge, von denen er leider nur noch wenige macht. Doch Schreiben tut er immer noch. Schülerzeitschrift, Reportagen, Dingen auf den Grund gehen, das hat ihn immer schon erfüllt. Insofern hat er doch seinen Weg gefunden. Andere hadern sogar mit ihrem Beruf – er nicht. Und doch scheint etwas in seinem Leben nicht zu stimmen. Vielleicht ist es die Geschwindigkeit und das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Obwohl alle Menschen über die gleiche Zeit verfügen. Jeder hat 24 Stunden pro Tag und es ist seine Aufgabe, diese Zeit einzuteilen und sie den Dingen zuzuteilen, die wichtig sind, die glücklich machen. Mit den Sachen, die wichtig zu sein scheinen, hat HP keine Probleme. Es sind dann wohl eher die Dinge, die ihn glücklich machen, die bei ihm zu kurz kommen. Und welche Dinge sind das? Diese Frage geht ihm nicht mehr aus dem Sinn. Er will eine Antwort finden.
Ein Teil in ihm möchte jetzt schlafen und ein anderer will diese Gedanken weiterspinnen. Doch er kommt zu keinem Ergebnis, außer, dass es wohl etwas mit der Zeit zu tun haben könnte. Zeit für sich selbst. Freie Zeit, ohne einen bestimmten Zweck, ohne ein Ziel. Zeit, die sich mit etwas ausfüllen darf, was von irgendwoher in sein Leben kommen möchte. Ab und zu den Moment genießen, wie eine Katze, die einfach nur in der Sonne liegt. Die sich das erlaubt! Die es einfach tut!

Band 1:                        Verschwunden im Nirgendwo
Aus der Trilogie:       Das Rätsel um KA-22-4-84
Autor:                          Klaus Eitel Acker

Altersstufe:                 ab 16 Jahre
Genre:                          Spannung

Der Roman Verschwunden im Nirgendwo von Klaus Eitel Acker ist als Kindle E-Book bei Amazon erhältlich. – hier-

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